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wegweiser Achtung! Achtsamkeit ist wichtig!!! Kritische Gedanken zu den vorgeburtlichen Untersuchungen

 

Die Schattenseiten der ausufernden Pränataldiagnostik -

Plädoyer für einen achtsamen Umgang mit werdendem Leben


1. Zur pränatalen Diagnostik allgemein

Bei dem großen Angebot von Untersuchungen in der Schwangerschaft geht es hauptsächlich um die Feststellung, ob das wachsende Kind einen "Fehler" hat. Gerade für die verantwortungsbewussten Eltern scheint es geboten, die modernen diagnostischen Möglichkeiten auszuschöpfen, um Schäden rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Doch das Durchlaufen zahlreicher Tests und Untersuchungen hat eine wenig beachtete Kehrseite und führt zu Belastungen für die werdenden Eltern und für das ungeborenen Kind. Alle Beteiligten sollten sich sorgfältig fragen, in welchem Umfang sie solche Untersuchungen dem  Kind und seiner Mutter zumuten wollen. Die kaum gestellten, aber bedeutsamen  Fragen sind: Wie fühlen sich die Mütter, wenn sie von einem Test zum anderen auf Ergebnisse warten müssen und mit der Angst leben: "Hoffentlich ist das Kind gesund"? Und was mögen die Babys empfinden?

Früher sagte man von einer Schwangeren, sie sei „in guter Hoffnung“. Was ist von dieser „guten Hoffnung“ noch übrig, wenn eine Schwangerschaft beherrscht wird von dem Blick auf Risiken und Gefahren? Heute wird diese wichtigste Anfangszeit im Leben jedes Menschen sehr oft bestimmt von einem immer größeren Streben nach Perfektion. Eine Fülle von Untersuchungen und ängstliches Warten auf deren Ergebnisse hindern unter Umständen die  Eltern sogar daran, eine frühe Bindung zu ihrem ungeborenen Kind aufzubauen, weil sie in der Ungewissheit leben, ob sie das Kind überhaupt behalten wollen oder können. Das empfindende kleine Wesen muss sich dabei oft über lange Zeit hinweg in seiner Existenz bedroht fühlen: „Darf ich bleiben oder muss ich wieder gehen?“ Wir wissen heute, dass das  nicht ohne Folgen für sein späteres Lebensgrundgefühl bleibt. Ist z.B. die Menge des ausgeschütteten „Glückshormons“ Oxytoxin in der Schwangerschaft durch Angst eingeschränkt, so dauert es für diesen Menschen auch später länger, bis er Freude empfinden kann.

Die Ängste der Eltern werden leider in immer größerem Umfang von den Anbietern diagnostischer Verfahren und Tests finanziell ausgebeutet, ohne Rücksicht auf den tatsächlichen Nutzen oder das Abwägen der negativen Folgen. Die Zusatzangebote für Schwangere (sogenannte IGeL-Leistungen) sind heute eine käufliche Ware, an der gut verdient wird. Die Ungeborenen und ihre Eltern stehen im Kraftfeld finanzieller Interessen. Es ist zu befürchten, dass Gynäkologen sich auf Veranstaltungen zur Verkaufsförderung fortbilden, anstatt  über die psychologischen Folgen dazu zu lernen. Der „Seelenraum des Ungeborenen“ ist zum Marktplatz geworden.

Dabei werden die Eltern oft im Ungewissen darüber gelassen, ob die jeweilige Untersuchung tatsächlich der Gesundheit von Mutter und Kind dient (wie etwa die Kontrolle von Urin, Blut und Wassereinlagerungen), oder ob mit der Untersuchung behindertes Leben aussortiert werden soll, oder ob die Praxen möglichst viele einträgliche Extra-Leistungen anbieten wollen. Da diese Unklarheit in den gynäkologischen Praxen so oft besteht, raten wir dringend dazu, sich im Vorfeld zu informieren. Nehmen Sie sich Zeit für das sorgsame Abwägen und lassen Sie sich das Ziel einer angebotenen Untersuchung jedes Mal genau erklären! Sprechen Sie mit Ihrem Partner, Ihrer Hebamme oder anderen Menschen darüber, ehe Sie einer Untersuchung zustimmen.
(www.bvkm.de/Arbeitsbereiche-undthemen_/praenataldiagnostik)


2. Zu Ultraschall-Untersuchungen ohne medizinische Fragestellung

Die  bildgebenden Ultraschall-Verfahren werden immer beliebter („Baby-Fernsehen“). Doch es wächst auch die  Skepsis in Bezug auf die Auswirkungen für das Ungeborene. Hierbei unterscheiden wir drei Ebenen:

Erstens die rein biophysikalische Ebene, also die biologischen Wirkungen auf den Organismus des Kindes. Obwohl es derzeit keine Anhaltspunkte für körperliche Schädigungen gibt, mahnt die „Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin“ zur Vorsicht:
"Für ungeborene Kinder bestehen keine gesundheitlichen Risiken durch Ultraschalluntersuchungen. Dennoch sollten sie ausschließlich von Experten und zur medizinischen Diagnostik durchgeführt werden und nicht zum sogenannten „Babyfernsehen“.
Insgesamt gibt es derzeit keine Hinweise, dass das Ungeborene durch eine Ultraschalluntersuchung in irgendeiner Weise geschädigt wird. Dennoch: „Vorsicht ist das oberste Gebot in der Medizin“, erklärt Professor Dr. med. Eberhard Merz, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus Nordwest in Frankfurt. Für Merz  bedeutet dies: „Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft sollten nur von Ärzten mit entsprechender Aus- und Weiterbildung und nur dann durchgeführt werden, wenn sie wirklich notwendig sind. Die DEGUM spricht sich ausdrücklich gegen alleinige Ultraschalluntersuchungen aus, die nur zum Zwecke des „Babyfernsehens“ auf Wunsch der Eltern durchgeführt werden."
(Den ganzen Wortlaut des Artikels siehe http://www.DEGUM.de)

 

Anmerkungen unseres „Netzwerkes Elternwerden-Elternsein“ dazu:
Beachten sie im Artikel die ärztliche Formulierung "derzeit" und "bislang" in Bezug auf Möglichkeiten von vielleicht noch unbekannten Schädigungen.

 
Zweitens geht es  aber wesentlich um die seelische Dimension, wie wir es schon im ersten Abschnitt ausgeführt haben. Die vielen aus rein  finanziellen Interessen angebotenen Untersuchungen führen zu  Verwirrung und Manipulation. Es ist auch eine Verführung der Eltern, das ungeborene Kind zum Objekt ihres Stolzes zu machen, anstatt ihm achtsam  und möglichst störungsfrei  die nötige Intimität zu gewähren und damit dem  "Seelenraum des Ungeborenen" den nötigen Respekt zu erweisen. Es gilt, sich einzufühlen und vorzustellen, was für Empfindungen, Wahrnehmungen und Regungen das werdende Menschenkind haben kann. Aus den langen Erfahrungen der therapeutischen Arbeit mit pränatalen Traumata ist evident bekannt, dass alle Sinneseindrücke sich dem Kind pränatal vermitteln und prägend sind. Wir wissen noch nicht genau, wie sich die Hightech-Angebote in der Schwangerschafts- und Geburtsmedizin auswirken werden. Eines steht aber fest: Sie haben Auswirkungen auf die Entwicklung und Prägung dieser unserer nächsten Generation.

 

[Vgl. Ludwig Janus: Der Seelenraum des Ungeborenen, PATMOS Vlg.2011 und : Ludwig Janus: Wie die Seele entsteht. Unser psychisches Leben vor, während und nach der Geburt., Mattes Vlg.Heidelberg 2011;

und aus neurobiologischer Sicht: Gerald Hüther/Inge Krens: Das Geheimnis der ersten neun Monate. Unsere frühesten Prägungen. Düsseldorf, Zürich: Walter Vlg. 2005]


Drittens  geht es auch noch um die menschliche bzw. rechtliche Dimension, wenn ein intimer Lebensraum ohne Einverständnis des Kindes verletzt wird. Es gibt noch kein Gesetz, in dem das  Recht des Ungeborenen auf Unversehrtheit formuliert wird, aber einige Initiativen wie etwa greenbirth bemühen sich darum. Auch Jürgen Habermas widmet sich in einer Veröffentlichung (Die Zukunft der menschlichen Natur: Auf dem Wege zu einer liberalen Eugenik? Frankfurt 2005) dem Problem, dass ein Kind zum Objekt wird, über das verfügt wird, ohne dass es sich wehren kann.

 


Sie als Eltern können sich frei und lebensfördernd für möglichst große Ruhe und möglichst großen Frieden Ihres Kindes in Ihrem Bauch entscheiden! Lehnen Sie jede unnötige Untersuchung und jeden überflüssigen Ultraschall ab – etwa nur zum Zweck, ein weiteres Foto von Ihrem Kind zu bekommen! Wir sind besorgt um die gesunde Entwicklung der kommenden Generation.

 

 



© Netzwerk Eltern werden 2012